Ein schon fast monströses Indigo-Fieber CHROMOS Group

Ein schon fast monströses Indigo-Fieber

Die Boss Bern AG setzt in der Kommunikation auf Monster und im Bogen-Digitaldruck auf HP Indigo. Aktuell wurde eine brandneue HP Indigo 7eco in Betrieb genommen, dies im ebenfalls brandneuen Firmengebäude in Bolligen. swiss print + communication sprach mit Firmeninhaber und Geschäftsführer Stephan Boss und Sven Bänziger von der Chromos Group, der die Maschine verkauft hat. Interessante Einblicke und Erkenntnisse über den Digitaldruck und die Druckbranche im Allgemeinen.
Text: Paul Fischer / Bild: Boss Bern AG

Ein schon fast monströses Indigo-Fieber CHROMOS Group
Empfangsbereich der Boss Bern AG

Stephan Boss lässt nichts an «seine» Indigos herankommen. Seit – man glaubt es kaum – bald zwei Jahrzehnten setzt er auf die HP Indigo-Drucktechnologie. Zunächst auf ein 3050er-Modell, dann auf ein System der 5500er-Serie und nun die 7eco. Auf die Provokation: «HP Indigo, ist das nicht eine teure Drucktechnologie in Zeiten, wo Kostenoptimierung alles ist?» reagiert er völlig gelassen. «Es gibt bis heute nichts Besseres, qualitativ Hochstehenderes, Flexibleres und mit so vielen Mehrwerten ausgestattetes Digitaldrucksystem wie HP Indigo. Natürlich sind die Tonersysteme deutlich besser geworden, doch von der Druckqualität her kommen sie nach wie vor nicht an die Indigo heran. Die Inkjetsysteme sind mittlerweile ebenfalls sehr gut, doch gerade was Sonderfarben betrifft, sind sie limitiert. Wenn Sie mich so fragen, kann ich nur sagen: es gibt für mich schlichtweg keine Alternative zu Indigo!» Man fragt: spricht hier ein Fan, gar ein Verblendeter? Natürlich nicht, Stephan Boss hat seine handfesten Argumente und einige davon stimmen nachdenklich.

Ein schon fast monströses Indigo-Fieber CHROMOS Group
Die Boss Bern AG ist ein vielseitiges Medienunternehmen

Start mit der Lichtpause
Der Vater von Stephan Boss gründete 1975 eine Firma, die Lichtpausen herstellte. Er selber begann vor über 25 Jahren im Familienbetrieb zu arbeiten. Seine Mission: «Ich wollte mir Gedanken machen, wie wir das Unternehmen besser aufstellen können, wenn es wieder mal eine Baukrise gibt.» Werbetechnik und Druckvorstufe waren die neuen Stand-beine, die Stephan Boss Ende der neunziger Jahre aufzubauen begann. Es folgte der Digitaldruck und 2007 übernahm Stephan Boss das Unternehmen komplett. Mittlerweile beschäftigt die Firma rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die wichtigsten Standbeine sind die Herstellung von Messedisplays, Signaletik, alle Arten von Werbetechnik-Produkten inklusive Fahrzeugbeschriftungen, CAD-Plotservices und der Digitaldruck mit der HP Indigo.


Stephan Boss erklärt: «Unser wichtigstes Standbein ist die Werbetechnik mit all ihren Schattierungen. Hier bieten wir die komplette Wertschöpfungskette an: Beratung und Konzeption, Druckerstellung, Auslieferung, Montage. Die Kunden in diesem Bereich kommen aus der Region Bern und Mittelland, die Montagen werden aber in der gesamten Schweiz durchgeführt. Auf der anderen Seite haben wir das Digitaldruckgeschäft mit den Kleindrucksachen und spezialisierten Druckprodukten. Nicht vergessen darf man die Vorstufe. Das ist bei uns ebenfalls ein wichtiges Standbein. Unsere Stärke: wir nehmen nicht nur Druckdaten an, sondern wir beraten, wir erstellen Konzeptionen, wir betreuen Kundendaten.»


Dazu einige interessante Zahlen: Pro Jahr werden über 700 Werbetechnik/-Montagen durchgeführt. Es werden über 7000 Produkte ausgeliefert. Die eigene Flotte umfasst einen Park von rund einem Dutzend Fahrzeugen. Die Boss Bern AG ist damit auf dem Platz Bern einer der grössten Anbieter von Werbetechnik/Displaylösungen. Die Ergänzung mit dem Digitaldruck ist da ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal. Stephan Boss: «Auch andere Anbieter in der Region Bern, mit Ausrichtung Werbetechnik/ Displaylösungen, haben sich in den letzten fünfzehn Jahren im Digitaldruck engagiert. Keiner hat jedoch so stark auf den Direktkontakt zu den Werbeagenturen gesetzt wie wir. Das ist vielleicht auch der Grund, dass wir dieses Geschäft erfolgreich weiterentwickeln konnten, während andere sich mittlerweile wieder zurückgezogen haben.»

Warum Indigo?
Wie zu Beginn des Artikels erwähnt, ist Stephan Boss ein Fan der Indigo-Drucktechnologie. Das hat handfeste Gründe. Stephan Boss: «Als wir mit der Indigo 2004 begannen, hatte der Digitaldruck einen eher schlechten Ruf. Kunden waren sich die Qualität von Tonersystemen gewohnt und die Unterschiede zum Offset waren einfach nicht zu übersehen. Da kamen wir mit der Indigo, und alle waren begeistert von der damit verbundenen Druckqualität. Wir konnten uns damit einen weiteren, wichtigen Kundenstamm aufbauen, dies im Bereich der Agenturen, wo wir bis dahin kaum Kontakte hatten. Dies hat es uns ermöglicht, das Unternehmen noch breiter aufzustellen. Der Digitaldruck war in all diesen Jahren und ist bis heute ein zuverlässiger Wachstumsgenerator.» Was fasziniert Stephan Boss so an der Indigo-Technologie? «Es ist nach wie vor die beste Technologie, welche es auf dem Markt in Sachen Qualität der Druckprodukte zu kaufen gibt. Natürlich haben die Tonersysteme zugelegt, doch wenn mir heute Leute sagen, deren Druckqualität sei mittlerweile zur Indigo gleichwertig, muss ich das klar verneinen. Unsere Agenturkunden kommen immer noch zu uns mit dem Wunsch: Herr Boss, wir wollen Indigo-Qualität. All die Aussagen, die im Markt bezüglich anderer Digitaldrucktechnologien und deren Druckqualität gemacht werden – sei es durch die Systemanbieter oder Druckereien –, sind in meinen Augen einfach nicht korrekt.»


Und wie steht es mit den Einwänden über hohe Kosten, die im Markt zur HP Indigo gemacht werden? Stephan Boss lacht und erklärt: «Ich sollte das ja nicht gegen aussen kommunizieren, aber wir haben seit fünfzehn Jahren die gleichen Preise im Digitaldruckbereich. Natürlich machen wir ab und zu auch Konzessionen. Ist das problematisch? Nein! Bei Aussagen wie ‹teure Technologie› wird immer wieder vergessen, dass die Kosten für Druckprodukte in einem Gesamtmarketingbudget nur ein Teilelement darstellen. Gerade in einem Marketingmix mit der Verwendung von digitalen Kanälen. Würde ich mit einem Tonersystem andere Preise verrechnen? Das wäre kontraproduktiv. Doch da diese bekannterweise nicht an die Qualität der HP Indigo herankommen, bliebt einem gar nichts übrig, als mit tieferen Preisen zu argumentieren. Genau hier machen viele Druckereien, die nur auf die Druckkosten schauen, einen entscheidenden Denkfehler. Es ist einfach nicht wahr, dass die Kunden nur auf den besten Preis schauen. Andere Faktoren sind ebenso wichtig. Zumindest bei unseren Kunden.»


An dieser Stelle interveniert Sven Bänziger von der Chromos Group sehr energisch: «Ich begegne im Markt immer wieder diesem Argument. Vielfach wird dabei aber nicht ehrlich argumentiert. Man vergleicht die reinen Klick-, Wartungs- oder Maschinenpreise und sagt dann: Wow, die HP Indigo ist ja viel teurer! Wenn man dann aber eine saubere Platzkostenrechnung macht, alle Kosten berücksichtigt, sieht es ganz anders aus. Vor allem wird immer wieder vergessen, dass der finanzielle Erfolg einer Druckdienstleistung nicht nur an der Druckmaschine generiert wird. Wie teuer sind Handling, Backoffice, Druckvorstufe? Wie hoch sind alle anderen Kosten? Welchen Umsatz erzielt man pro Auftrag? Meine Erfahrung: bei Druckereien, die über zu tiefe Margen klagen, ist selten die Platzkostenrechnung an der Druckmaschine der entscheidende Faktor über Erfolg oder Misserfolg.»

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Die HP Indigo 7eco

Online, Beratung, 7eco
Damit kommt die Diskussion an einen Punkt, der weit darüber hinausgeht, ob die HP Indigo 7eco eine gute Maschine sei oder nicht. Zentral ist die strategische Ausrichtung des Unternehmens. Stephan Boss erklärt die der Boss Bern AG so: «Viele sagen heute, dass ein Unternehmen wie unseres ohne B2C-Shoplösung ein Problem hat. Es ist ein Thema, das bei uns über viele Jahre hinweg heiss umstritten ist. Wir sind schon lange mit leistungsfähigen und individuell eingerichteten B2B-Onlineshop-Lösungen unterwegs. Doch B2C? Da haben wir gegen die grossen Onlinedruckereien keine Chance. Mit den Preisen, die dort gemacht werden, ist man chancenlos. Darum setzen wir klar vor allem auf B2B-Kunden, die Beratung, Konzeption und Extradienstleistungen sowie Qualität wollen. Wir richten uns aber auch an B2C-Kunden, die auf Qualität setzen. Ich habe schon oft erlebt, dass Kunden, die vorher bei einem Onlineshop ein Standardprodukt bestellt haben, ganz begeistert sind, wenn wir ihnen nicht nur eine Einladungskarte drucken, sondern diese auch gestalten. Für diese Kunden ist es der finanzielle Zusatzaufwand wert. Und es gibt mehr solcher B2C-Kunden im Markt, die bereit sind, diesen Preis zu zahlen, als man meint.»


Also alles eitel Sonnenschein, der Rückgang bei den Druckauftragsvolumen ein wehleidiges Klagen von Druckereien, die ihre Kosten nicht im Griff haben? «Nein, natürlich ist der Rückgang bei den Printprodukten eine Realität. Doch schaut man sich die Zahlen an, so geht das Volumen vor allem im oberen und mittleren Auflagesegment immer mehr zurück. Dort, wo wir unterwegs sind, also mit der HP Indigo, haben wir in den letzten Jahren nichts gespürt, im Gegenteil.»


Die Entwicklung ist paradox. So zumindest kann man es empfinden, wenn man Sven Bänziger zuhört: «Wir dürfen uns nichts vormachen: Offsetdruck ist eine sehr ausgereifte Technologie und Offsetmaschinen sind, was Leistungsfähigkeit und Betriebswirtschaftlichkeit betrifft, absolut top. Wenn ich eine gut ausgelastete 70×100-Bogenoffsetmaschine habe, so ist diese betriebswirtschaftlich kaum mehr zu übertreffen. Doch gerade im Schweizer Markt sehen wir einen Rückgang bei den entsprechenden Auflagen, die es für die Anwender von solchen Maschinen immer schwieriger macht, sie überhaupt zu füllen. Im Digitaldruck mit der Indigo sehen wir eine gegenläufige Entwicklung: die Auflagen und die Volumen steigen. Die Maschinen werden immer industrieller. Die 7eco, das vor einem Jahr vorgestellte Entry-Modell, basiert auf einer Produktefamilie, die von Anfang an für den industriellen Digitaldruck entwickelt wurde.»
Was heisst das konkret? Sven Bänziger: «Von der Konstruktion her ist die HP Indigo 7eco absolut identisch mit der HP Indigo 7K. Während aber die 7K standardmässig für die Siebenfarb-Produktion ausgelegt ist, verfügt die 7eco ‹nur› über fünf Farbeinheiten.» Für Stephan Boss reicht das: «Was die HP Indigo 7eco für uns so attraktiv macht, ist die Möglichkeit, mit Silber/Metallic-, Premium White- und vielen weiteren Sonderfarben zu produzieren. Das ist ein echter Mehrwert, den wir auch bei den Kunden aktiv verkaufen und mit dem wir uns im Markt vom Mitbewerber unterscheiden können. »

Nachhaltigkeit und Monströses
Die Boss Bern AG ist, wie viele andere Unternehmen in der Schweiz, von der Covid-19-Pandemie in Mitleidenschaft gezogen worden. Stephan Boss: «2020 war für uns ein schwieriges Jahr, das erste Quartal 2021 war auch nicht einfach. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass 2018 und 2019 für uns super Jahre waren. Hier konnten wir Reserven bilden.» Die grundsätzliche Strategie stimmt also. Deshalb zog man 2020 in einen Neubau, den die Boss Bern AG zusammen mit Partnerfirmen und Gebäudemitnutzern realisierte. Ein wichtiges Element war Nachhaltigkeit, etwas, das Stephan Boss am Herzen liegt.


Sein Kommentar zum Neubau: «Wir arbeiten und produzieren in einem reinen Holzbau. Bis auf das Sockelgeschoss und die Bodenplatte EG, welche betoniert sind. Alles ist nach Minergiestandard gebaut, Behaglichkeit ist garantiert, sichert Werterhaltung und verbürgt Umweltfreundlichkeit. Massgebend sind eine dichte Gebäudehülle, eine ausreichende Wärmedämmung und ein systematisches Belüftungssystem. Durch einen genau ausgewählten Monoblock haben wir eine Lüftung, Kühlung und Befeuchtung, was in der Druckbranche sehr wichtig ist. Zudem haben wir auf dem Flachdach eine eigene Fotovoltaikanlage, die bis zu 73,3 kWp produziert und fast unseren gesamten Energiebedarf abdeckt. Die überschüssige Energie verkaufen wir der BKW und versorgen zusätzlich zwei weitere Firmen im Gebäude mit günstigem Strom.» Dass da die neue HP Indigo eco7 «klimaneutral» produziert, kann man schon fast als ein Detail vermerken.


Doch Stephan Boss geht auch kommunikativ eigene Wege. Storytelling ist zunehmend ein wichtiges Element. Dafür hat man eigene «Monster» kreiert: Brain Tell, Ida Indigo, Rahel Rakel und Phil Stress erzählen von ihren Abenteuern in der Firma und mit den Kunden. Präsent sind die Geschichten auf Social Media und als gedrucktes Booklet – natürlich produziert auf der HP Indigo 7eco. Neu wird es ein weiteres spannendes Papiermusterbuch aus dem Hause Boss Bern AG geben. In diesem präsentiert Boss die neuen Möglichkeiten der HP Indigo, unter anderem Metallic-Farben und Weissdruck, auf unterschiedlichen Papieren mit verschiedenen Grammaturen. So kann auf jedem Papier die Druckqualität und Haptik des Papiers beurteilt werden und der Kunde findet heraus, ob es zum Papier das passende Kuvert gibt. Das Papiermusterbuch kann jederzeit bei Boss Bern AG bestellt werden.

Ein schon fast monströses Indigo-Fieber CHROMOS Group
Letztes Jahr bezog man mit Partnerfirmen in Bolligen einen Neubau. Nachhaltigkeit ist hier, genau wie beim Unternehmen selber, ein zentrales Thema.

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