Wichtige Weichen für die Zukunft gestellt CHROMOS Group

Wichtige Weichen für die Zukunft gestellt

Technologische Veränderungen und wirtschaftliche Herausforderungen bedingen einer immer größeren Flexibilität, um als Brückenbauer im Dreieck mit Kunden und Lieferanten künftig effiziente und zukunftssichere Lösungen zu entwickeln. Darum haben per 1. Juli 2020 die Chromos AG und Fujifilm (Switzerland) AG zur Chromos Group AG fusioniert. Eine wichtige Weichenstellung für die Zukunft.
Text: Michael Seidl/ Bild: CHROMOS Group AG

Die Verbindung der beiden Unternehmen ist die Folge einer jahrelangen, sehr engen Zusammenarbeit mit dem Ziel, Kräfte zu bündeln und Strukturen zu vereinfachen. Die Chromos Group AG verstärkt damit ihr Fundament für eine erfolgreiche Zukunft und vereint sechs Verkaufsbereiche unter einem Dach: Printing, Packaging, Industrial, Kelva Web Cleaning, Fujifilm Photo und Service.

Unverändert bleibt das große Gesamtportfolio an Weltmarken wie etwa HP Indigo oder Ryobi/RMGT Technologien (neu hier der 3D-Druck und sogenannte Cobots, www.cobots.ch), Service- und Beratungsleistungen, die mit gewohnt großer Expertise zu bedürfnisorientierten Lösungen erarbeitet werden. Auch die Ansprechpartner stehen wie bisher zur Verfügung, und alle vertraglichen Vereinbarungen bleiben unverändert. Die Neuausrichtung der Chromos Group AG umfasst zudem die Modernisierung des gesamten Erscheinungsbildes. Auch der Internetauftritt wurde unter www.chromosgroup.ch komplett überarbeitet. Wenn ein Unternehmen mit 200 Mitarbeitern, mitten in der Corona Krise, mit solchen Veränderungen aufwartet, dann zeigt dies von typisch schweizerischer sicherer und stabiler Planung. Die aktuelle Krise mag zwar den Zeitplan etwas durcheinanderbringen, die langfristigen Ziele jedoch nicht. Über die Zukunft des Unternehmens, das knapp vor seinem 75. Geburtstag steht, sowie die Strategie dahinter sprachen wir mit Mitinhaber Daniel Broglie und Printing Divison Marketingleiterin Nadine Zoller.

Interview mit Michael Seidl

P&P: Herr Broglie, Ihr Unternehmen hat in den letzten Monaten einiges bewegt und sich verändert. Was sind die Überlegungen, die Gedanken bzw. was ist die Strategie dahinter?

Daniel Broglie: Lassen Sie mich das Ganze etwas einordnen: Wir haben gemerkt, dass wir uns mit den Unternehmen Imsag, Chromos und Fujifilm thematisch immer mehr aufeinander zubewegen. Ein klassisches Beispiel, wo wir enorme Synergien haben, ist der Bereich Industrie, wo wir mit Chromos in der abpackenden Industrie mit Kodiersystemen unterwegs sind und mit Fujifilm Hochgeschwindigkeitskamerasysteme im Angebot haben. Das Teilchenbeschleunigungsinstitut CERN haben wir beispielsweise mit solchen Kameras ausgestattet. Auch im Medizinbereich mit Fuji, wo Chromos wiederum Medizin-Kunden im Verpackungsbereich hat, bestehen Synergien. Wir haben also gesehen, dass es keinen Sinn macht, diese mit so viel Wissen behafteten Märkte in zwei getrennten Unternehmen zu belassen. Synergien gibt es vor allem auch im Marketing, wo wir nun auch die Welten zusammenwachsen lassen. B2B (Printing, Industrial, Packaging, Kelva Web Cleaning, Service) trifft B2C (Fujifilm Foto) im Unternehmen. Deswegen haben wir entschieden, dass wir uns strukturell neu aufstellen, um Platz zu schaffen für Neues. So haben wir neue Bereiche gestaltet und damit Bewährtes mit neuen Betätigungsfeldern ergänzt. Weiteres arbeiten wir gerade an der kulturellen Ausrichtung des Unternehmens, sprich wer sind wir und wohin wollen wir.

P&P: Nun begeben wir uns auf die Spurensuche. Was hat es mit der neuen Unternehmenskultur auf sich?

DB: Was sich auf jeden Fall positiv entwickelt, ist, dass vorher getrennte Bereiche zusammenkommen, ineinanderfließen und Erfahrungen bzw. Wissen ausgetauscht werden. Es formiert sich ein Unternehmen und damit ein neues Miteinander. Marketing, Sales + Service und Corporate kommen zusammen und lassen neue Energien zu.

Nadine Zoller: Das merken wir schon in der neuen Organisation. Wir sind auch von den Räumlichkeiten her zusammengewachsen und haben so gleichzeitig viel mehr Gestaltungsspielräume. Gemeinsame Marketing-Meetings bringen bessere Ergebnisse, es kocht praktisch niemand mehr sein eigenes Süppchen. So werden Kommunikationsdefizite vermieden. Interne Schulungen etc. bringen dazu noch mehr Austausch und ein Mehr an Wissen.

DB: Um die kulturelle Entwicklung und das Zusammenwachsen intensiver zu gestalten, hat uns aber Corona einen großen Strich durch die Rechnung gemacht. Gerade in einer Phase, wo sich die Menschen näher kommen sollten, konnten sie das nicht wirklich. Obwohl wir mit der digitalen Kommunikation tatsächlich viel abfedern, ist es nicht dasselbe, wie wenn sich Menschen persönlich, vor allem in einer neuen Phase, real begegnen und nicht virtuell. Wir wollten beispielsweise ein gemeinsames Kulturevent gestalten, das hat Corona leider zunichte gemacht. Im Zusammenhang, dass uns das physische Miteinander sehr wichtig ist, kann ich Ihnen heute schon mit Freude sagen, dass wir uns auch räumlich verändern werden. Wir werden am Standort in Dielsdorf bleiben, aber diesen neu gestalten und im kommenden Jahr neu beziehen. Wir haben die Liegenschaft hier erworben und werden einen Teil davon für unsere neuen Bedürfnisse ausbauen bzw. adaptieren. Für die künftige Raumplanung haben wir zum Beispiel analysiert, welche Abteilungen viel miteinander zu tun haben, und dies werden wir in die Ausgestaltung mit einfließen lassen. Nicht nur Ruhezonen sind angesagt, sondern wir wollen auch »Traffic« generieren, damit die Durchmischung gefördert wird. Zudem wird es ein Konzept mit gedeckten Außenarbeitsplätzen und einen großen Begegnungspavillon geben in der Art eines Chromos Group Campus.

P&P: Wann möchte man den Umbau fertiggestellt haben?

DB: Wir planen im nächsten Jahr einzuziehen, rechtzeitig zu unseren Feierlichkeiten zum 75-jährigen Jubiläum.

P&P: Lassen Sie uns doch bitte auf das aktuelle Geschehen zurückkommen. Wie hat sich Covid-19 auf Ihr Geschäft ausgewirkt?

DB: Für uns war eine große Zäsur schon vor Covid, dass wir uns entschieden hatten, mit dem Vertrieb von Large Format Printing aufzuhören. Das war eine große Entscheidung. Der Grund dafür war, dass es sehr schwierig geworden ist, diesen Markt nachhaltig weiter zu entwickeln, da zu viele Hersteller für zu wenige Kunden da sind. Unsere Vertretungen waren Durst, HP, Mimaki und Fujifilm. Diesen Geschäftsbereich haben wir inklusive der Mitarbeiter an einen anderen Partner übergeben, somit haben wir für unsere Kunden eine gute und für unsere Mitarbeitende eine sozialverträgliche Lösung gefunden. Insgesamt zeichnet sich für uns im Covid-19-Jahr eine akzeptable Geschäftsentwicklung ab: Der Bereich Printing ist im klassischen Offsetdruck zwar rückläufig. Wir konnten dieses Geschäft aber dank guten Verkäufen mit HP Indigo kompensieren. Für die Kunden war die Flexibilität unserer Digitaldrucksysteme gepaart mit gleichzeitig hoher Druckqualität ausschlaggebender Kaufentscheid. Geholfen hat auch, dass wir trotz fehlender drupa das neue Portfolio von HP Indigo virtuell zeigen und damit die Kunden überzeugen konnten. Übrigens auch in Österreich in einem schönen Umfang.

P&P: Kann es sein, dass die Unterschiede zwischen der Schweiz und Deutschland/Österreich auch daher rühren, dass Schweizer Unternehmen nach wie vor finanziell besser aufgestellt sind? Bei vielen Unternehmen in Österreich sind Fördergelder lange nicht bzw. noch gar nicht angekommen. Anders als in der Schweiz, wo ein Zusammenschluss der Banken für schnelle Hilfe gesorgt hat.

DB: Was die Banken betrifft, richtig. Es wurde in der Schweiz schneller ausbezahlt als in Österreich. In beiden Ländern hat die Kurzarbeit aber insgesamt geholfen. Zusätzlich hat Österreich ein sehr wirtschaftsfreundliches System mit Fördergeldern, das wir in der Schweiz so nicht kennen. Davon haben einige grafische Unternehmen in Österreich profitiert. Was uns betrifft, so haben wir fünf wichtige Punkte, die gewirkt haben, um die Krise in den Griff zu bekommen: Wir haben tolle Mitarbeiter, die einem Stresstest jederzeit standhalten. Wir haben mit Kunden und Lieferanten sehr lange, intensive und vertrauensvolle Beziehungen. Zusätzlich haben wir begonnen, die Liquidität wöchentlich anstatt monatlich zu messen. Hinzu kommt das breite Portfolio und – wichtig auch als fünfter Punkt – die Kurzarbeit.

P&P: Wie sehen Sie aktuell die Entwicklung in Bezug auf Messen und Veranstaltungen?

DB: Lassen Sie mich den Gedanken eines Kunden dazu reflektieren. Er meinte, dass nun alle mit ihren Hausmessen beginnen. Was soll das? Und er hat Recht. Ich finde das Messekonzept als solches interessanter, anstatt auf sieben oder acht Hausmessen zu fahren. Ein weiteres Statement dazu: Natürlich kann man mit virtuellen Präsentationen Neuigkeiten und Technik ganz gut zeigen. Was jedoch nicht funktioniert, ist der wichtige Austausch untereinander mit digitalen Formaten. Wenn ich nun an aktuelle Messen denke, dann kommt es wohl darauf an, ob die Lieferanten das stemmen wollen oder nicht. Ein wichtiger Faktor ist jedoch, dass für viele kleinere und mittlere Unternehmen die drupa beispielsweise die einzige internationale Plattform ist, um ihre Produkte zu präsentieren. Die haben nicht die Möglichkeit für eigene, große Hausausstellungen. Das können nur die Großen schaffen. In Bezug auf die drupa mache ich mir schon Gedanken darüber, wenn zu wenig große Unternehmen mitmachen, ob sie dann stattfinden wird. Hinzu kommt die eingeschränkte Möglichkeit des Reisens, aber auch der Respekt der Menschen vor dem Reisen.

P&P: Für Chromos ist der Verpackungsbereich ein wichtiges, wenn nicht das wichtigste Segment in der Angebotspalette?

DB: Der Verpackungsbranche geht es gut in der Krise, somit auch uns in diesem Segment. Corona hat auch hier für gewisse Denkanstöße gesorgt. Das Lokalkolorit wurde sehr gefördert, und der Wert einer guten Verpackung wird wieder mehr geschätzt. Wenn etwas nicht verpackt ist, so hat man ein Haltbarkeitsproblem bzw. auch, gerade in diesen Zeiten, ein Hygieneproblem. Dazu braucht es gute und sichere Verpackungen. Wir haben soeben eine neue Portfolioanalyse gemacht, die 2020 mit dem Jahr 2000 vergleicht. In 2000 erwirtschafteten wir mit dem Druck-Segment 34 Prozent unseres Umsatzes, heute sind es 25 Prozent. War der Umsatzanteil im Verpackungsbereich im Jahr 2000 zehn Prozent, so stehen wir heute bei 30 Prozent.

Wichtige Weichen für die Zukunft gestellt CHROMOS Group
Die Grafik veranschaulicht sehr gut, wie sich die Geschäftsbereiche von Chromos in den letzten Jahren verändert haben.

P&P: Mit den noch jungen Aktivitäten wie etwa 3D-Druck und Robotik wird der Industrial-Bereich wohl weiterwachsen.

DB: Das sehen Sie vollkommen richtig. Hier planen wir für die Zukunft einen Anteil von 20 Prozent am Gesamtumsatz. Auch Service soll aus unserer Sicht noch weiter wachsen.

P&P: Das Chromos-Schiff inklusive neu zusammengestellter Mannschaft ist auf gutem Kurs?

DB: Lassen Sie es mich so formulieren: Ich bin extrem positiv und froh darüber, dass wir diese Schritte in den letzten Monaten gesetzt haben, die uns seit drei Jahren schon im Kopf steckten. Unsere Mannschaft ist gerade dabei, sich daran zu gewöhnen. Ich vertraue darauf, dass alles positiv aufgenommen wird und alles sich einspielt. Seit 1. Jänner sind alle praktisch in einem neuen Umfeld. Ein Wandel ist wichtig und soll gelebt werden.

P&P: Es ist schön zu sehen, dass Sie so intensiv an einer neuen Struktur arbeiten, um ein Familienunternehmen wie Chromos zukunftsfit zu machen, auch mit neuen Technologien. Dazu braucht es ein tolles Team.

DB: Das ist richtig formuliert, vielen Dank. Das mit dem Familienunternehmen ist ein ganz wichtiger Punkt: Ich mache mir schon heute Gedanken darüber, was in Bezug auf meine Nachfolge zu tun ist, wenn ich mal nicht mehr im Unternehmen bin. Es geht immer darum, die richtigen Weichen zu stellen. Deshalb haben meine Schwester, mein Bruder und ich bei der Planung den langfristigen Horizont im Auge. Jedoch haben wir immer im Blickfeld, dass die Industrien, wo wir uns engagieren, unsere DNA sind.

P&P: Sie meinten vorhin, dass Sie auch gerne nach vorne blicken in die Zukunft. Wo sehen Sie die neue Chromos Group in fünf Jahren?

DB: Das Wichtigste ist natürlich jetzt der Umbau sowie die neuen sechs Bereiche gut am Markt zu implementieren und umzusetzen. Die Architektur steht, das Potenzial ist vorhanden, um das Ganze weiter auszubauen und zu entwickeln. Wir werden auf jeden Fall in den Märkten, wo wir sind, bleiben und diese weiter vorantreiben. Das haben wir in der Geschichte auch schon immer so gemacht. Was wohl noch ein Zukunftsprojekt sein kann, Chromos Group mehr zu internationalisieren. So wäre es denkbar, Generalimporteur von bestimmten Produkten für Europa zu werden. Für RYOBI/RMGT machen wir beispielsweise schon heute das europäische Ersatzteillager. Und da kann sich doch in Zukunft noch viel Neues für uns auftun. Spannend wird die Entwicklung unseres Industriebereiches mit 3D und Cobots, den wir auch deutlich vorantreiben möchten.

P&P: Wenn wir schon über die Zukunft nach Corona sprechen, wird es da einen erhöhten Anteil an Homeoffice geben oder kehrt man wieder in das normale, bislang gewohnte Büroleben zurück?

DB: Wir haben das kürzlich in unserer Corona Task Force Sitzung diskutiert. Seit September sind wir wieder in Vollbetrieb. Jetzt gilt es zu entscheiden, welche Abteilungen eigentlich mehr Homeoffice vertragen und welche weniger. Neu wird es auf jeden Fall eine FlexDesk Einrichtung geben, wo eben Mitarbeiter, wenn sie Homeoffice Worker sind, sehr wohl auch einen Platz im Büro haben. Meine persönliche Meinung ist, dass wir hier schon sehr aufpassen sollen. Wenn jeder für sich allein ist, dann verlieren wir den Wert der Zusammenarbeit. Wir werden eine Balance finden müssen, damit die Kommunikation und Zusammenarbeit trotz Digitalisierung weiterhin gut funktioniert.

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