Drei Jahre nach dem Produktionsstart in Zams bei Innsbruck steht der österreichische Standort von ePac für mehr als nur eine regionale Erfolgsgeschichte. Gemeinsames Fachwissen, standardisierte Qualitätsanforderungen und eine enge Zusammenarbeit zwischen den Standorten gewährleisten einen einheitlichen Kundenservice im gesamten Netzwerk. Anlässlich dieses Jubiläums und der kürzlich installierten HP Indigo 200K sprachen wir mit den Verantwortlichen bei ePac Europe darüber, wie konsequent das Unternehmen sein Geschäftsmodell umsetzt.
Wie lassen sich flexible Verpackungen in kleinen und mittleren Auflagen industriell, rentabel und mit kurzen Lieferzeiten herstellen? ePac beantwortet diese Frage nicht mit einer einzigen Maschine. Das Unternehmen verbindet Marktanalyse, Geschäftsmodell, Prozesse, Technologie und Mitarbeitende zu einem System. Was nach Vereinfachung klingt, ist das Ergebnis jahrelanger Erfahrung und klarer Marktleistung. ePac kombiniert Digitaldruck, flexible Fertigung und optimierte Prozesse, um schnelle Durchlaufzeiten für Marken unterschiedlicher Grösse zu ermöglichen.
Maria Lyri, Marketing Managerin bei ePac Europe, beschreibt in einem Satz, für was das Unternehmen steht: «Flexible Verpackungen leicht gemacht.» Der Satz klingt einfach, die betriebliche Realität dahinter ist jedoch eine Herausforderung. Flexible Verpackungen sind technisch komplex. Materialien, Barrieren, Siegeleigenschaften, Öffnungsverhalten, Wiederverschliessbarkeit, Stabilität, Hitzebeständigkeit und Laminierung müssen aufeinander abgestimmt sein. ePac versucht nicht, diese Komplexität wegzudiskutieren. Doch dank eines stringenten Geschäftsmodells meistert das Unternehmen diese Herausforderungen und reduziert sie so für seine Kunden erheblich.
Johnny Hobeika, Geschäftsführer von ePac Europe, bringt den Kern auf den Punkt: «Unser Produkt ist nicht innovativ. Unsere Methode, es herzustellen, ist es.» Das Produkt selbst ist bekannt. Der Unterschied liegt in der Art und Weise, wie ePac diese Produkte industriell herstellt, verkauft und liefert.

Ein klar definierter Markt
ePac entstand aus einer klaren Marktanalyse. Kleine und mittlere Markenhersteller benötigten flexible Verpackungen in kleineren Mengen, oft mit mehreren Artikeln, kurzen Lieferfristen und ohne grosse Lagerbestände. Lange Zeit war die Branche für flexible Verpackungen auf Grosskunden, hohe Mindestmengen und lange Produktionsläufe ausgerichtet. Die Gründer von ePac erkannten hier eine klare Marktlücke: zunehmende Produktvarianten, kürzere Lieferfristen, tiefe Mindestbestellmengen und keine Anzeichen dafür, dass sich diese Entwicklung verlangsamen würde. Gleichzeitig betrugen die Bearbeitungszeiten auf dem konventionellen Markt sechs bis acht Wochen und mehr. Die Fokussierung auf dieses Marktsegment ist eines der Kernelemente der Strategie. Auf den ersten Blick scheint dies einschränkend zu sein. In der Praxis sorgt es jedoch für Schnelligkeit, Vorhersehbarkeit und Wiederholbarkeit.

Lieferzeit als oberste Priorität
Das zentrale Dienstleistungsversprechen lautet: 10 bis 15 Arbeitstage Lieferzeit. Diese Frist bestimmt das gesamte Geschäftsmodell. John Peat, Group Vice President Operations bei ePac, sagt: «Einer der Hauptgründe, warum Kunden zu uns kommen, ist eine kleine Bestellung mit vielen SKUs, aber einer Vorlaufzeit von 10 bis 15 Tagen.»
Schnelle Durchlaufzeiten sind somit ein zentraler Bestandteil des Kundenangebots von ePac. Dies gilt für die Auftragsauswahl, die Kalkulation, das Sortiment, die Materialfreigaben, die Maschinenplattformen, die Nachbearbeitung, den Service und die Personalentwicklung. Für kleinere Marken ist dies in der Regel einfach, da die Vorteile sofort sichtbar sind. Man vermeidet hohe Mindestmengen, reduziert die Anlaufinvestitionen und bringt ein Produkt schneller auf den Markt. Für grössere Marken liegen die Vorteile anders. Sie können damit Werbeaktionen, Designänderungen, Sortimentstests oder regionale Varianten schneller umsetzen.
Peat sagt: «Wir beseitigen den Veralterung.» Digital produzierte flexible Verpackungen können Marken dabei helfen, das Lagerrisiko zu senken, schneller auf Marktveränderungen zu reagieren und Produktvarianten effizienter umzusetzen.
Standardisierung schafft Geschwindigkeit
In vielen Unternehmen wird Flexibilität als das Gegenteil von Standardisierung angesehen. Bei ePac entsteht Flexibilität durch Standardisierung. Alle primären Prozessschritte folgen standortübergreifend derselben Logik. In einem solchen Umfeld wirkt sich ein technisches Problem unmittelbar auf die Lieferfähigkeit aus. Dies stellt hohe Anforderungen an Industriepartner wie HP und lokale Vertriebspartner wie CHROMOS. Service, Ersatzteilverfügbarkeit, Eskalationswege und Reaktionszeiten müssen dem Zeitplan eines Unternehmens entsprechen, das sein Leistungsversprechen in Tagen und nicht in Wochen misst.
Hobeika beschreibt, warum dieses System notwendig ist: Flexible Verpackungen weisen mehr Komplexitätsdimensionen auf als viele andere Druckanwendungen. Beim Etikettendruck geht es in erster Linie um Substrat, Farbe, Haftung und Weiterverarbeitung. Bei flexiblen Verpackungen spielen zudem Barriereeigenschaften, Funktion, Öffnung, Wiederverschliessbarkeit, Fallverhalten, Verschweissbarkeit und Produktschutz eine wichtige Rolle.

Der Digitaldruck ist Teil der Lösung, und HP Indigo ist seit der Gründung von ePac ein strategischer Partner. Johnny Hobeika sagt: «HP ist Teil der Lösung, aber nicht die gesamte Lösung.» Die Herausforderungen liegen oft im nachgelagerten Bereich, d. h. bei der eigentlichen Beutelproduktion. Der Druck ist zwar entscheidend, aber nicht die einzige Herausforderung. Die kürzlich installierte HP Indigo 200K erweitert die Digitaldruckkapazitäten in Zams und unterstützt das weitere Wachstum von ePac in der Region. Die Investition stärkt die Fähigkeit des Unternehmens, Kunden zu bedienen, die hochwertige flexible Verpackungen mit kurzen Vorlaufzeiten benötigen. Dies schärft zudem die Rolle von CHROMOS als lokaler HP-Vertriebspartner. Nähe, Reaktionsfähigkeit und das Verständnis für den 24/5-Betrieb sind für ePac nicht zweitrangig, sondern Teil der Lieferfähigkeit.
Recycelbarkeit im Dauerbetrieb
Ein weiterer Bereich, in dem die Prozesslogik sichtbar wird, ist die Recyclingfähigkeit. ePac kann nicht nur recycelbare Materialien als technische Option anbieten, sondern diese auch effizient und wiederholbar als Standard produzieren. Johnny Hobeika sagt: «Es ist eine Sache, recycelbare Materialien verarbeiten zu können. Es ist eine andere Sache, dauehaft recycelbare Materialien zu verarbeiten.» Wenn man nur einen kleinen Anteil an recycelbaren Materialien verarbeitet, kann man Effizienzverluste auf andere Weise ausgleichen. Wer einen grossen Teil seines Portfolios auf diese Weise produziert, muss Material, Prozesse und Kosten unter Kontrolle halten. ePac hat schrittweise Kompetenzen in den Bereichen PE, Polyolefin und PP aufgebaut. Diese Materialien sind anspruchsvoll in der Verarbeitung. Die Frage lautet nicht nur: Kann man darauf drucken? Die Frage lautet: Lässt sich damit eine funktionale Verpackung zu einem marktfähigen Preis und innerhalb einer Lieferzeit von 10 bis 15 Tagen herstellen?

Genau hier zeigt sich die Bedeutung selbst gewählter Prozessgrenzen. ePac beabsichtigt nicht, jedes Material, jedes Format und jede Zusatzanforderung in den Leistungskatalog aufzunehmen, ohne das eigene Lieferversprechen zu gefährden.
Die Mitarbeitenden als Kern des Gesamtmodells
Vom Beginn der Angebotsphase bis zur Produktionsfreigabe verging etwas mehr als ein Jahr. Ab dem FAT verlief die technische Umsetzung zügig.Die Integration in die bestehende Produktionsumgebung erforderte bauliche Anpassungen. Für die spiegelverkehrte Anordnung wurde die bestehende Anlage verschoben und der externe Schaltschrank mit einer speziell konstruierten Halterung an der Decke montiert. Eine pragmatische Lösung, die sich im Betrieb bewährt. Gedruckt wird im selben Raum auf zwei Inkjet-Systemen. Design und inhaltliche Gestaltung erfolgen intern. Das Leitsystem initiiert den jeweiligen Druckauftrag, überwacht den Prozess und dokumentiert sämtliche Schritte.
Messbare Effekte und operative Vorteile
Die Reproduzierbarkeit des Modells hängt nicht nur von Maschinen und Arbeitsabläufen ab. Sie hängt auch von den Menschen ab. Zams hat dies bereits in der Aufbauphase gezeigt. Peat beschreibt den Arbeitsmarkt in Tirol als anspruchsvoll: «Es ist eine Skiregion, und die Personalbeschaffung war ziemlich schwierig.» Der Fachkräftemangel betrifft nicht nur die Verpackungsindustrie in Österreich. Hobeika beschreibt ihn als globales Problem.
ePac reagiert darauf mit internen Schulungen und klaren Karrierewegen. Das Unternehmen rekrutiert zudem Mitarbeitende ausserhalb der Verpackungsindustrie und bildet sie intern weiter. Das funktioniert, weil die Prozesse standardisiert sind. Wer neu ins Unternehmen eintritt, trifft nicht auf lokale Sonderlösungen, sondern auf definierte Prozesse, klare Rollen und wiederholbare Prozessschritte.
Im Interview spricht Hobeika darüber, wie ePac junge Talente anzieht und ihnen Perspektiven in einer digitalisierten, skalierbaren Branche bietet. Die Arbeit ist technisch anspruchsvoll. Sie umfasst Druck, Laminierung, Beutelherstellung, Materialien, Daten, Workflow, Qualität und Kundendienst. Wer diese Prozesse beherrscht, entwickelt Kompetenzen, die über ein einzelnes Werk hinausgehen.
So entsteht eine interne Wissensbasis, die mit jedem Standort wächst. Ein Problem in einem Werk wird zur Erfahrung für das Netzwerk. Eine Prozessverbesserung in Frankreich kann in Österreich helfen. Ein Bediener mit Erfahrung an einer Linie kann einen anderen Standort unterstützen. Das stärkt nicht nur die technische Leistungsfähigkeit, sondern auch das Netzwerkgefühl.
Diese Kultur ist nicht losgelöst vom Geschäftsmodell. Sie ist Teil davon. Wenn die Lieferzeit von 10 bis 15 Tagen oberste Priorität hat, müssen die Menschen in der Lage sein, schnell zu lernen, klar zu kommunizieren und im Netzwerk zu handeln.
Ein ideales Modell für einen wachsenden Markt
Flexible Verpackungen gehören zu den wichtigsten Verpackungsformaten auf dem Konsumgütermarkt in Europa. In Westeuropa machen sie rund 35 % der Einzelhandelsverpackungseinheiten aus und sind damit mengenmässig die grösste Verpackungsart. Zwischen 2018 und 2023 gehörten flexible Verpackungen zu den Formaten mit dem stärksten Wachstum bei den zusätzlichen Verpackungseinheiten. Die Bedeutung liegt jedoch nicht nur im Volumen, sondern auch im Materialeinsatz. Flexible Verpackungen machen mengenmässig mindestens die Hälfte der Primärverpackungen für Lebensmittel aus, benötigen jedoch gewichtsmässig nur etwa ein Sechstel des Verpackungsmaterials. Die Konsumenten schätzen sie vor allem wegen des Produktschutzes, der einfachen Handhabung und des geringen Gewichts. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich der Markt in naher Zukunft drastisch verändern wird.
Mit seinem Fokus auf digitale flexible Verpackungen, kurze Vorlaufzeiten und der Unterstützung kleiner und mittlerer Auftragsvolumina hat sich ePac als wichtiger Partner für Marken etabliert, die nach agilen und hochwertigen Verpackungslösungen suchen. Die fortgesetzten Investitionen am Standort Zams unterstreichen das langfristige Engagement des Unternehmens für Innovation, Kundenservice und nachhaltiges Wachstum auf dem europäischen Verpackungsmarkt.
Über ePac
ePac Europe ist ein führender Anbieter von digital bedruckten flexiblen Verpackungen. Das Unternehmen bietet eine breite Palette an Verpackungslösungen für vielfältige Anwendungsbereiche, darunter Lebensmittel, Getränke, Kosmetik, Chemikalien, Tiernahrung und Nahrungsergänzungsmittel.
Der Fokus liegt auf kleinen und mittelgrossen Marken, die professionelle Verpackungslösungen ohne hohe Mindestbestellmengen, Druckplattenkosten oder lange Lieferfristen benötigen. Schnelle Lieferzeiten von rund 10 Arbeitstagen für Rollenware und 15 Arbeitstagen für fertige Beutel stehen im Mittelpunkt des Serviceversprechens von ePac.
ePac bedient derzeit ganz Europa von fünf Produktionsstandorten aus, die sich in Grossbritannien, Frankreich, Polen und Österreich befinden.

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