Hochwertig und realitätsbezogen

Hochwertig und realitätsbezogen Digitaldruck

Text und Bilder: Paul Fischer, Swiss Print + Communication

Die Druckerei Landquart AG, Teil der SL Druck+Medien AG, installierte kürzlich zwei industrielle B3 Bogendrucktonersysteme von Fujifilm: eine PC1120 und eine EC2100. Da stellt sich die Frage: warum Toner? Und warum Fujifilm? Standortleiter Remo Thöny und Gesamtleiter Thomas Ambühl liessen sich in die Karten blicken. Der Investitionsentscheid basierte auf einer Mischung aus betriebswirtschaftlichem Realitätssinn und Vertrauen in ein qualitativ hochstehendes Produktionsmittel eines bislang unterschätzten Anbieters.

Die SL (Sarganserländer) Druck+Medien AG ist ein typisches Beispiel, wie der Konzentrationsprozess die Druckbranche der Schweiz verändert hat. 2018 wurde die Druckerei Landquart AG Teil der Sarganserländer Druck AG. Parallel dazu übernahm Thomas Ambühl, bis anhin Leiter der Druckerei Landquart AG, die Funktion als Leiter aller Druckstandorte der SL Druck+Medien AG. Hauptstandort ist in Mels, hier produzierte man einst die Zeitungen, bis man 2006 diesen Auftrag in das neue Zeitungsdruckzentrum in Haag verlegte. Das Zeitungsdruckzentrum wird von der Südostschweiz Partner AG (Sopag) betrieben. An der Firma sind mehrere Verlagshäuser beteiligt. Die SL Druck+Medien AG ist ein Ankeraktionär der Firma. Mit dem Einbringen der Druckerei Landquart AG wurden die Produktionsmittel fokussiert: in Mels befindet sich der industrielle Offsetduck mit Mehrfarbenbogenoffsetmaschinen im B3- und im B2-Format. In Landquart konzentrierte man die Werbetechnik und den industriellen Digitaldruck. Eine Betrachtung des Investitionsentscheides ist deshalb nur aus der Gesamtperspektive des Unternehmens sinnvoll.

Hochwertig und realitätsbezogen Digitaldruck
Die SL Druck+Medien AG konzentriert in Landquart die Werbetechnik und den industriellen Digitaldruck.

Die Grundfragen

Das Produktionskonzept der SL Druck+Medien AG ist «modular». Das für das Unternehmen enorm wichtige Zeitungsgeschäft wird als Mitbesitzer produktionstechnisch über die Sopag in Haag abgewickelt. Das übrige Druckgeschäft verteilt sich, wie erwähnt, auf Mels und Landquart. In Landquart wurde der industrielle Digitaldruck konzentriert, es handelte sich um Tonersysteme im B3 Formatbereich. Nach rund fünf Jahren im Einsatz wurde das Thema Nachfolgelösung aktuell. Die einfachste und naheliegendste Investition: Ersatz der bestehenden Tonersysteme durch Maschinen einer neuen Generation. Doch in einem sich rasant ändernden Marktumfeld reichen solche Überlegungen nicht mehr aus. In einer Zeit mit permanenten Rückgängen bei den Druckvolumen und immer mehr Druckaufträgen in Kleinauflagen stellt sich die Frage, ob Bogenoffsetmaschinen überhaupt noch die richtige Basis für die kommenden Jahre sind. Und seit im industriellen Inkjetsegment attraktive Systeme für das B3-Bogenformat auf dem Markt sind, stellt sich ebenfalls die Frage, ob B3-Bogentonergeräte noch Sinn machen. Deshalb war die Arbeitsteilung bei dieser Evaluation klar: Remo Thöny, Standortleiter des Druckstandortes in Landquart, schaute vor allem, was sich im Tonermarkt abspielt. Thomas Ambühl betrachtete es aus der «Überflieger-Sicht». Ihm, der vor über zehn Jahren als einer der Ersten in der Schweiz eine bestehende konventionelle Bogenoffsetmaschine auf UV-LED nachrüstete, traute man zu, für Überraschungen zu sorgen. Doch die grosse Überraschung blieb aus. Statt eine Inkjetlösung einzurichten, wie viele andere industrielle Bogenoffsetdrucker in der Schweiz es tun, blieb man mit Überzeugung beim Tonerdigitaldruck. Mit dem Entscheid für Fujifilm hat man hingegen in der Tat neue Wege eingeschlagen. Warum hat man sich in Landquart so und nicht anders entschieden?

Realitätssinn

In der Gesprächsrunde in Landquart sitzen Thomas Ambühl und Remo Thöny am Tisch. Es ist eine lebhafte Diskussion, in der beide klare Aussagen von sich geben. Thomas Ambühl: «Zwischen 35 und 40% unseres Umsatzes im industriellen Druck erwirtschaften wir über das Standbein Digitaldruck. Das sind für uns selbst beeindruckende Zahlen. Wenn ich mir vor Augen halte, wie klein die Umsatzzahlen waren, als wir vor 14 Jahren mit dem Digitaldruck anfingen, sind die Veränderungen gewaltig.» Und wie sehen die Zahlen für den Offsetdruck aus? Thomas Ambühl: «Sowohl in absoluten Zahlen wie auch in Umsatzanteilen hat der Offsetdruck in der gleichen Zeitperiode einen permanenten Rückgang zu vermelden.» Wäre angesichts dieser Entwicklungen das Thema industrieller Inkjetdruck nicht ein wichtiges Thema gewesen? Thomas Ambühl denkt einen Moment nach und erklärt: «Unser bestehender Park bei den Bogenoffsetmaschinen ist relativ jung. Mit Maschinen, die zwischen fünf und sechs Jahre alt sind, sind wir produktionstechnisch nach wie vor auf dem neusten Stand. Auch nur schon von der Amortisation her würde es keinen Sinn machen, jetzt bereits über eine Ersatzinvestition nachzudenken. Ich bin ein überzeugter Anwender der LED-UV-Trocknungstechnologie im Bogenoffset und alle Maschinen sind damit ausgerüstet. Hypothetisch hätten wir sicher die Möglichkeit, noch mehr Aufträge vom Offset auf den industriellen Inkjet-Digitaldruck zu transferieren. In der Realität mit den Vorteilen des LED-UV-Offsets ist das aber keine wirkliche Option. Auch mit starkem Wachstum im Digitaldruck in den letzten Jahren reicht das hier erzielte Druck- und Umsatzvolumen schlicht nicht aus, um die Investition in eine B3-Inkjetmaschine für das Standbein Digitaldruck zu rechtfertigen.

Hätte man angesichts des schönen Wachstums im Digitaldruck nicht sagen können «den Rest holen wir im Markt»? Thomas Ambühl lacht laut los und meint: «Ich glaube niemandem, der mir sagt, zusätzliches Umsatzvolumen könne man einfach so im heutigen Schweizer Druckmarkt generieren. Ja, vielleicht kann man es holen, aber nur mit Preisen, die nicht einmal kostendeckend sind. Will ich das? Sicher nicht. Ich kann mir ohnehin nicht vorstellen, dass alle jetzt in den Markt kommenden B3-Inkjetbogenmaschinen wirklich mit Aufträgen gefüllt werden können. Wir selbst haben schlicht nicht das Druckvolumen für eine derzeit im Markt angebotenen industriellen Inkjet-Bogenmaschine und deshalb führte am industriellen Tonerdruck als Ersatzinvestition kein Weg vorbei. Wir wollten da aber klar die beste, nicht die billigste Lösung anstreben.»

Darum Revoria

Hier kommt Remo Thöny ins Spiel. Er schaute sich die verschiedenen Angebote im Bogentoner-Markt an. In der Evaluationsphase tauchte für die Verantwortlichen in Landquart ein bislang nicht beachteter Anbieter auf: Fujifilm. Das Verdienst, diesen Lösungsansatz den Landquart-Leuten auf den «Schirm» zu bringen, gebührt zweifellos Heini Maag von der CHROMOS Group, welche die Revoria-Tonersysteme von Fujifilm in der Schweiz vertreibt. Ein Besuch von Remo Thöny und Thomas Ambühl im neuen Customer Experience Center von Fujifilm im Vorfeld der Drupa 2024 beeindruckte offensichtlich. Remo Thöny: «Ehrlicherweise hatten wir eine Fujifilm beim Beginn der Evaluation gar nicht im Blick. Heini Maag leistete da einiges an Überzeugungsarbeit, um unser Interesse zu wecken. Als wir dann die neuen Systeme im Showroom von Fujifilm zum ersten Mal sahen und die Druckresultate analysierten, wurde mir schnell klar, dass hier ein neuer und sehr ernst zu nehmender Anbieter auf dem Markt ist.» Was überzeugt denn bei den Produkten von Fujifilm? Remo Thöny: «Eindeutig der erweiterte Farbraum mit den verschiedenen Sonderfarben und die im Vergleich zu den Mitbewerbern bessere Druckqualität. Auch die Maschinen selbst sind auf der ganzen Linie sehr hochwertig. Im Bogenlauf, in den Farbkontrollprozessen, in den verschiedenen Grammaturen.» Thomas Ambühl ergänzt: «Die beiden Revoria-Systeme, die wir gekauft haben, überzeugen durch ihre Qualität und Flexibilität. Aber die Systeme sind natürlich etwas teurer, das muss man anfügen. Doch dieser Mehrpreis ist mehr als gerechtfertigt.»

Es sind Aussagen, die Heini Maag natürlich gerne hört. Er erklärt die Philosophie, welche Fujifilm im Tonergeschäft verfolgt: «Fujifilm war über Jahrzehnte in einer engen Partnerschaft mit Xerox. Vielen Anwendern in der Schweiz war gar nicht klar, dass die von ihnen eingesetzte Xerox-Maschine eigentlich von Fujifilm entwickelt und gebaut wurde. Nachdem Fujifilm und Xerox vor fünf Jahren ihre aktive Technologiepartnerschaft endeten (Anmerkung des Autors: Xerox bezieht bis heute Basis-Druckengines bei Fujifilm), musste man sich neu orientieren. Man entwickelte auf Basis des eigenen Know-hows eine neue Generation von Tonersystemen. Dabei setzte man klar auf das Prinzip Qualität vor Quantität. Die jetzt im Markt angebotenen Maschinen basieren einerseits auf in Jahrzehnten gesammelten Erfahrungen, andererseits hat Fujifilm klar den Anspruch, die besten Tonermaschinen im Markt zu entwickeln und zu bauen.»

Hochwertig und realitätsbezogen Digitaldruck

Die beiden Maschinen

In Landquart wurden zwei Maschinen installiert: eine Revoria Press PC1120, die derzeit schnellste Tonerbogenmaschine von Fujifilm mit 120 Seiten pro Minuten im Sechsfarbendruck, und eine Revoria Press EC2100S für 100 Seiten pro Minute im Fünffarbendruck. Die Revoria Press PC1120 Sechsfarbenmaschine ist ein hochautomatisiertes System mit einer Stabilität und Bildqualität, die sie spezifisch für den Print-on-Demand-Markt prädestiniert. Dementsprechend verfügt die Revoria Press PC1120 über eine breite Palette an Zuführ- und Postpress-Optionen und vereinfacht so die Produktion selbst von hochwertigen und anspruchsvollen Druckerzeugnissen.

Die neue Revoria Press EC2100 kombiniert gemäss Fujifilm eine industrielle Druckgeschwindigkeit mit hochwertiger Bildqualität und bietet vielseitige Möglichkeiten für alle, die sowohl Geschwindigkeit als auch exzellente Farbwiedergabe benötigen. Mit einer hochauflösenden-LED-Technologie von 2400 × 2400 dpi Auflösung, einer 10-Bit-Bildverarbeitung und einer fortschrittlichen Echtzeit-Farboptimierung liefert die EC2100 gestochen scharfe, detailreiche Drucke – unabhängig vom Medientyp. Die intelligente Bildoptimierung sorgt für gleichmässige Farbverläufe, feine Details und verbesserte Hauttöne. Gleichzeitig ermöglicht der erweiterte Fünffarbendruck mit Spezialtonern die Umsetzung von kreativen Drucklösungen mit ungewöhnlichen Effekten.

Mehr als zufrieden

Thomas Ambühl zeigt sich rundum beeindruckt von den neuen Maschinen, die seit mehreren Monaten im Einsatz sind: «Die Druckauflösung und der erweiterte Farbraum machen die Revoria-Modelle derzeit zum Besten, was im industriellen Tonersegment erhältlich sind.» Remo Thöny meint: «Es sind Tonersysteme mit allen grundsätzlichen Stärken und natürlich Schwächen, welche diese Technologie mit sich bringt. Aber offensichtlich hat Fujifilm sehr viel investiert und weiterentwickelt. Wie Thomas gesagt hat, drucken die Maschinen schlicht besser, als man es sich bis anhin im Tonerbereich gewohnt war. Auch im Service und bei den Verfügbarkeiten überzeugt Fujifilm mit seinen Systemen.» Für Heini Maag sind die neuen Fujifilm-Modelle ebenfalls eine gute Sache: «Mit HP-Indigo im hochindustriellen Segment und Lösungen, die viel mehr als nur den Standard verlangen, sind wir gut positioniert. Mit Fujifilm runden wir das Angebot für Standardlösungen ab. Präziser: für Standardlösungen mit Mehrwert. Das ist ein wichtiges Argument. Daneben bieten wir mit RMGT eine umfangreiche Palette für den Offsetdruck.» Thomas Ambühl: «Uns hat Fujifilm mit seinen Möglichkeiten und Angeboten wirklich überrascht. Da ist ein nun ein neuer Anbieter im Markt, der echte Impulse bringt. Das ist gut für unsere Branche.»

Dieser Artikel erschien im Dezember 2025 in der Fachzeitschrift Swiss Print + Communication

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